DGS ist meine Muttersprache

Heute, am 21. Februar wird weltweit der Tag der Muttersprache begangen. Auf Vorschlag der UNESCO wurde der Welttag im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen ausgerufen, um an die Bedeutung der Muttersprache als Ausdruck der kulturellen Identität zu erinnern. In diesem Jahr steht der Welttag unter dem Motto „Towards Sustainable Futures through Multilingual Education“. Die UNESCO betont damit die Bedeutung von Bildung in Muttersprachen für eine nachhaltige Entwicklung.

Wie sieht es mit der Bildung in Deutscher Gebärdensprache aus?

Seit die UN-Behindertenrechtskonvention 2009 in Deutschland in Kraft trat, haben Taube ein Recht auf Gebärdenspracherwerb, Bildung in Gebärdensprache und Gebärdensprachpädagogik. Bei vielen Behörden stößt man jedoch zumeist auf mangelndes Bewusstsein. Durch Unkenntnis und unklares Verwaltungshandeln ziehen sich Anträge auf gebärdensprachliche Förderung und Unterstützung unnötig in die Länge. Ebenso trägt das Fehlen von Fachkräften dazu bei, dass Taube von der Chancengleichheit und Teilhabe im Bildungswesen systematisch ausgeschlossen werden.

Bei der inzwischen bundesweiten Petition „Gebärdensprache umsetzen! Bilingual – bimodal – endlich normal!“ zur Umsetzung von Gebärdensprache im Bildungswesen sind bisher über 5.000 Unterschriften zusammengekommen. Trotz UN-BRK sind rund 80.000 taube Kinder und Erwachsene wegen mangelnder Akzeptanz und Fachkräftemangel benachteiligt. Unterstützen auch Sie die Petition unter: www.openpetition.de/!gehoerlosekinder

Was bedeutet eigentlich Muttersprache?

Der Begriff meint die in der frühen Kindheit ohne formalen Unterricht erlernte erste Sprache. In der Regel wird diese Erstsprache von der Mutter vermittelt, deshalb hat sich der umgangssprachliche Begriff „Muttersprache“ etabliert. Die Unschärfe des Begriffes zeigt sich in Fällen bei denen Kinder ihre erste Sprache vom Vater erlernen oder von anderen Bezugsperson. Viele Linguisten verwenden deshalb den neutraleren Begriff Erstsprache.

Der Internationale Tag der Muttersprache soll auf die Bedeutung des Kulturgutes Sprache aufmerksam machen, die Sprachenvielfalt und den Gebrauch der Muttersprache fördern und das Bewusstsein für sprachliche und kulturelle Traditionen stärken. Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) wird von vielen Hörenden bisher kaum als Muttersprache wahrgenommen.

Um diese deutsche Minderheitensprache in den Fokus zu rücken, interviewten wir drei Nutzer der Deutschen Gebärdensprache und fragten nach ihrer sprachlichen Entwicklung und ihrer Sicht auf die Rolle der DGS in unserer Gesellschaft.

Wir interviewten Lisa Ulrich (CODA), den Dipl.-Sozialpädagogen Thomas Wartenberg (deaf CODA) und die Gebärdensprachlinguistin Dr. Daniela Happ, die im Alter von 6 Jahren ertaubte. Das Interview führte Marcus Beyer.

 

Du kommunizierst in Gebärdensprache, eine Sprache, die viele hörende Menschen nicht beherrschen. Was bedeutet es für dich, dieser sprachlichen Minderheit anzugehören?

Gebärdensprache

 

Lisa: Gebärdensprache bedeutet für mich: Eltern, Familie, Kultur, alles in einem. Gebärdensprache bedeutet für mich einfach Alles, es ist wie eine ganze Welt in der ich mich aufgehoben fühle.

Thomas: Vor langer Zeit gab es viele Kulturgruppen, die Gebärdensprachen verwendeten. Sie waren überall präsent, bei den Mayas, den Indianern, den Aborigines, Hindus, Buddhisten, Ägyptern und den Sumerern. Es gab wahnsinnig viele Kulturgruppen die Gebärdensprachen verwendeten. Diese Gruppen haben sich bis zur Gegenwart drastisch minimiert. Heute sind es die Tauben, die die Gebärdensprachen pflegen und weiterentwickeln. Dieser Gruppe gehöre ich auch an.

Daniela: Meine Muttersprache ist Lautsprache aber trotzdem benutze ich als erste Sprache vorwiegend DGS. Also gehöre ich auch der Sprachminderheit an und es ist für mich wichtig, weil die DGS so viele Möglichkeiten im Ausdruck und der Kreativität bietet, was die Lautsprache nicht bereit hält. Die Lautsprache ist einfach anders.

 

Zum Thema Erstsprach- und Zweitspracherwerb: Wie bist du aufgewachsen, was war für dich Erst- bzw. Zweitsprache? Und wie betrachtest du deine Sprachentwicklung jetzt rückblickend?

Sprachverständnis

Lisa: Meine Erstsprache ist Gebärdensprache, die Sprache die meine Eltern mir beigebracht haben und mit der ich aufgewachsen bin. Als Kind war das für mich ein ganz natürlicher und einfacher visueller Spracherweb. Beispielsweise die Gebärde Ball war für mich ganz schnell klar, weil ich die Form visuell erfassen konnte. Die Lautsprache war für mich hingegen schwerer zu erlernen aber Gebärdensprache war immer präsent und interessant für mich, ich konnte Gebärdensprache immer nebenbei mitbekommen und lernen.

Oft bekomme ich die Frage gestellt: Deine Eltern sind doch taub, wie hast du denn sprechen gelernt? Die Lautsprache ist ja quasi allgegenwärtig, durch Musik, Gespräche in der Umwelt, überall kam ich mit Lautsprache in Kontakt und ich lernte sehr schnell und machte riesige Entwicklungssprünge. Als ich dann schon selbständig war, merkte ich immer wieder, dass ich Gebärdensprache als Korrektiv brauchte. Beispielsweise in der Schule benutzte ich heimlich das Fingeralphabet unter dem Tisch um zu kontrollieren ob ich richtig schreibe. Also Gebärdensprache war wie eine Absicherung für mich und ich fühlte mich dadurch sicherer.

Thomas: Ich bin als deaf CODA geboren, wodurch ich gleich von Beginn meiner Entwicklung an Zugang zu Gebärdensprache hatte. Ich war sehr wissbegierig und habe alles hinterfragt. Ich liebte Bilderbücher und habe sie stapelweise verschlungen. Durch Kontakte, Fragen und Diskussionen mit meinem gesamten Umfeld, z.B. auf dem Spielplatz, im Kindergarten oder in der Familie konnte ich mein Wissen und meinen Wortschatz stetig erweitern und meine Erstsprache, meine Muttersprache weiter entwickeln.

Dann war in meiner Familie auch vereinzelt Lautsprache vorhanden, sodass ich mir Zusammenhänge zwischen Mundbild und Fingeralphabet erschließen konnte. Durch Bilderbücher mit Lautschrift habe ich mithilfe des Fingeralphabets, was ich ja bereits kannte, Buchstaben und Wörter gelernt. Das habe ich dann auch versucht selbst zu schreiben, zuerst einzelne Buchstaben und dann Wörter. SO habe ich bereits im Alter von drei Jahren mit Hilfe des Fingeralphabets angefangen in Lautschrift zu schreiben.

Dann im Kindergarten lag der Fokus mehr auf der Lautsprache und dem Hören-üben, das war ein echter Konflikt für mich aber ich habe mich dort untergeordnet und versucht beide Sprachen weiterzuentwickeln. Im Kindergarten habe ich viel Lautsprache und Schriftsprache erfahren bis ich dann zur Schule ging, wo zur Hälfte in Lautsprache und Gebärdensprache kommuniziert wurde. Diese Zweisprachigkeit begleitete mich während meiner gesamten Schulzeit. Das half mir auch während meines Studiums und im Beruf, in verschiedenen Kommunikationssituationen, mit und ohne Dolmetscher klar zu kommen.

Wenn ich jetzt meine Sprachentwicklung rückblickend betrachte, sehe ich natürlich Verbesserungsmöglichkeiten, die schon große Auswirkungen gehabt hätten. Na klar, damals im Kindergarten, in der Schule oder während der Ausbildung war alles mehr von Lautsprache und Schriftsprache abhängig. Wenn ich in Gebärdensprache eine Erklärung verlangte kamen die Leute ins schwimmen, weil sie die Gebärdensprache nicht beherrschten. Dadurch war ich natürlich in meiner Sprachentwicklung etwas verzögert. Aber durch die Unterstützung meiner Eltern und Bekannten konnten meine Defizite kompensiert werden. Hätte diese Verzögerung allerdings nicht stattgefunden, wäre meine Sprachkompetenz heute höher.

Daniela: Ich bin hörend aufgewachsen und dann im Alter von 6 Jahren ertaubt. Anschließend besuchte ich eine Gehörlosenschule. Somit war mein Erstspracherwerb Lautsprache weil ich ja alles auditiv wahrnehmen konnte, unbewusst ohne Anstrengungen und gänzlich ohne logopädische Übungen. Dann besuchte ich eine Gehörlosenschule, auf der nur in Lautsprache unterrichtet wurde, Gebärdensprache war komplett verboten. Die Lehrer unterrichteten ausschließlich lautsprachlich und benutzten keinerlei Gebärden. Ich musste also alles von den Lippen ablesen. Andere Kinder benutzten in der Pause Gebärdensprache. Ich verstand nicht alles, wurschtelte mich aber durch. Mit der Zeit wurde meine Gebärdensprachkenntnis aber immer besser. Ich verwendete damals mehr LBG, damals gab es den Begriff (DGS) noch gar nicht. Erst später wurde Gebärdensprache mit „DGS“ bezeichnet und das Bewusstsein geweckt, dass DGS eine eigenständige Sprache mit eigener Struktur… eigenen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten ist, auch bei mir. Dann während meines Linguistik-Studiums hatte ich ein richtiges Aha-Erlebnis als ich merkte, dass die Gebärdensprache alles hat, was eine Sprache braucht und sie der Lautsprache in nichts nachsteht. Diese Tatsache hat mich sehr überrascht und ich erforschte und lernte mit sehr viel Ehrgeiz die DGS bis ich die Sprache perfekt beherrschte.

Was ist nun für mich erst und Zweitsprache? Klar, im Bezug auf den Spracherwerb ist meine Erstsprache die Lautsprache und meine Zweitsprache Gebärdensprache. Aber in der praktischen Verwendung sind beide Sprachen für mich gleichwertig. Ich gebe da keiner den Vorrang sondern verwende beide gleichberechtigt.

Wenn ich auf meine Sprachentwicklung zurückblicke, denke ich, es lief gut. Während meiner Kindheit, egal ob in der hörenden Phase oder dann seit der tauben Phase, hat meine Mutter stets mit mir kommuniziert. Sie hat verschiedene Übungen mit mir gemacht, eigentlich nicht wirklich Übungen, z.B. Kreuzworträtsel, mit dem Effekt, dass mein Wortschatz ständig erweitert wurde. Meine Pflegemutter, bei der ich während meiner Schulzeit wohnte, war eine sehr intelligente Frau, mit der ich vieles austauschen konnte, die mir viel beigebracht hat und die ich vieles fragen konnte, aber stets in Lautsprache, denn meine Pflegemutter konnte nicht gebärden. Mein Gebärdenspracherwerb ging ein bisschen lahm vonstatten, da die Tauben selbst die Gebärdensprache auch nicht bewusst benutzten und im Bewusstsein, dass Gebärdensprache verboten war, haben wir nur heimlich gebärdet. Wenn ich nach der Bedeutung einer Gebärde fragte, haben sie sich völlig verschlossen, da sie ja wussten, dass sie keine Gebärden verwenden durften. Sie steckten also in einem Dilemma, wussten nicht, ob sie mir meine Frage beantworten oder ihr Wissen lieber für sich selbst behalten sollten. Daraus folgte für mich, dass der Gebärdenspracherwerb eine sehr langwierige Sache war, ich brauchte gut 30 Jahre, bis ich die Gebärdensprache wirklich beherrschte.

 

Was bedeutet für dich Gebärdensprach-Kultur und welche wesentlichen Unterschiede siehst du zur Lautsprachkultur?

Kultur

Lisa: Gebärdensprachkultur bedeutet für mich visueller Kontakt, die Verschiedenen Gesichtsausdrücke, die Mimik, die Lebendigkeit und Ausdruckskraft der Sprache. Beispielsweise beim Geschichte erzählen in Gebärdensprache ist man als Teil der Geschichte mitten drin. Lautsprache ist zwar auch interessant aber es ist nicht das Gleiche. Man ist da nicht so voll drin in der Handlung. Wenn ich gebärde dann bin ich voll in Aktion. Die Bewegung, das Lebendige, die Mimik… das ist alles Wichtig für mich beim gebärden.

Thomas: Die Lautsprachkultur hängt vor allem mit dem Akustischen, Hören, Ton, Singen, der Musik zusammen. Medien, Kunst und Kultur sorgen für Erholung, Freizeit, Bildung und Theater natürlich auch, das ist sehr vielfältig. Die Gebärdensprachkultur ist auch sehr vielfältig. Das Besondere hierbei sind die Augen, der Kopf, die Mimik, der Körper, die Bewegung das Gebärden an sich, der Gebärdenraum, auch die Medien, die Videokommunikation Theater, der visuelle Tanz, auch die Gebärdensprachpoesie und die Kunsthandformen, das ist auch sehr vielschichtig. Es ist mehr auf die Augen ausgerichtet. Hand, Augen und Körper sind wichtige Elemente Das hängt mit der Evolution zusammen, es ist für mich nicht nur eine Sprachkultur sondern vielmehr eine kreative Entfaltung der Lebensinhalte. Man hat also diese zwei Kulturen und durch das Bewegen in beiden ist man bilingual reich an Erfahrungen und hat viele kreative Entfaltungsmöglichkeiten.

Daniela: Ob es Unterschiede zwischen Gebärdensprach- und Lautsprachkultur gibt? Für meine Begriffe ja, es gibt schon enorme Unterschiede, da Lautsprache mehr mit Worten spielt, mit Sprachmelodie. Poesie drückt sich auch so aus, Gedichte auch und teilweise Kunst. Gebärdensprache ist eher visuell, die ganzen Bewegungsmöglichkeiten, was man alles damit ausdrücken kann, da bin ich hin und weg davon. Auch gibt es auf Wortebene Unterschiede: Da Taube von klein auf (Laut)Sprache nicht vernünftig vermittelt bekommen haben, da ihnen Gebärdensprache verwehrt blieb und mit ihnen nur durch Lautsprache kommuniziert wurde, Wörter in Schriftsprache nur gezeigt wurden, haben Taube Wörtern der Lautsprache eigene Bedeutung zugewiesen, so dass ein Wort der Laut- bzw. Schriftsprache mit einem bestimmten semantischen Gehalt von Tauben ganz anders benutzt wird und es dadurch auch zu Missverständnissen kommt. Ein Beispiel wäre das Wort „Schicksal“, das in der Laut-/Schriftsprache eher ganz undramatisch als „der Lauf des Lebens“ verstanden würd, während es von Tauben eher mit der Bedeutung von „Strafe“ gefüllt wird: „Früher hat er oft andere diskriminiert, jetzt gehört er selbst zu den Betroffenen. Das ist „Schicksal“ (entspricht: Das hat er nun davon!). Dies hat einen ganz anderen semantischen Gehalt. Auch das Verhalten in bestimmten Situationen unterscheidet sich: Taube fragen sehr direkt (nicht nur im Freundeskreis): „Lacht ihr über mich?“ während Hörende so ein Verhalten nie an den Tag legen und die benötigten Informationen eher vorsichtig und unauffällig durch indirekte Fragen zu erlangen suchen. So ist das oftmals ein Zusammenprall zweier Welten.

Was bedeutet für dich Bilingualität in DGS und Deutsch?

Bilingual

Thomas: Ich fühle mich wohl mit den zwei Sprachen, der Laut- und Schriftsprache und der Gebärdensprache, sie sind ein Teil von mir. Ich bin bilingual und wechsle in den Sprachen hin und her und entwickle mich immer weiter, das sammeln von Erfahrungen, vergleichen von Wörtern mit Bildern und der Zusammenhang mit der Schrift, der kreative Prozess und die Diskussion und der Austausch mit anderen Menschen sind für mich wertvoll. Mit nur einer von beiden Sprachen wäre ich nicht vollständig, ich würde ich mich wie ein halber Mensch fühlen.

Daniela: Bilingualität in DGS und Deutsch bedeutet für mich hauptsächlich die Kombination aus Schriftsprachverständnis und Gebärdensprachkompetenz, das ist immens wichtig. Lautsprachkompetenz ist weniger von Bedeutung. Das bedeutet für mich Bilingualität: Schriftsprache und Gebärdensprache. Die beiden Sprachen sind visuell. Ich finde es sehr wichtig, schtiftsprachkompetent zu sein, dadurch kommt man selbst an Informationen und macht sich nicht von der Hilfe hörender Leute oder von Dolmetschern abhängig.

 

Wie kommunizierst du mit Menschen, die nicht gebärdensprachkompetent sind?

Thomas: Wenn ich auf Leute treffe, die keine Gebärdensprache sprechen, dann probiere ich schon erstmal mit Gebärden und Mimik die Kommunikation aufzubauen und Blickkontakt zu halten. Wenn dann das individuell Kommunikationsverhalten klar ist, eine tiefgründigere Kommunikation aber nicht gelingt, nehme ich Papier und Stift zur Hilfe und wir kommunizieren schriftsprachlich. Dabei erkläre ich beispeislweise auch ein paar Gebärden, wodurch wir beide profitieren weil sich die Kommunikation verbessert.

Daniela: Mit Menschen, die nicht gebärdensprachkompetent sind, kommuniziere ich lautsprachlich. Also ich spreche und lese von den Lippen meines Gesprächspartners. Wenn die Kommunikation absolut nicht funktioniert, dann nutzen wir die Schriftsprache. Manchmal habe ich keine Lust in Lautsprache zu kommunizieren, das ist bei mir tagesformabhängig. Dann bemühe ich mich ganz klar und deutlich zu gebärden. Manchmal gehen die Leute dann auf mich ein machen mit und versuchen gebärdensprachlich mit mir zu kommunizieren Manchmal schauen die Leute einfach nur komisch, weil sie gar nicht versuchen wollen mich zu verstehen und lassen mich einfach links liegen. Dann ist mir das auch egal. Aber meistens spreche ich mit ihnen.

 

Fühlst du dich als Tauber in unserer Gesellschaft gleichberechtigt?

Gleichberechtigung

Thomas: Wenn ich mich in unserer Gesellschaft bewege, fühle ich mich nicht gleichberechtigt, akzeptiert und auch nicht voll unterstützt. Es existiert ein Ungleichgewicht. Das liegt vor allem daran, dass die Leute mich immer zuerst auf meinen Hörstatus reduzieren. Ach dein Gehör ist kaputt, du kannst nicht sprechen, und Musik kannst du auch nicht hören ach das ist ja so schlimm. Dann hab ich das Gefühl, gerät die Kommunikationsebene in eine Schieflage. Die meisten Leute haben auch ein falsches Bild. Mir ist aufgefallen, dass es da oft zwei Sichtweisen gibt. Die einen wollen mich unterstützen und haben Mitleid mit mir, was ich aber gar nicht will. Und die Anderen reden abschätzig über mich und haben die Einstellung solche Menschen haben in unserer Gesellschaft nichts zu suchen. Die müssen aufgeräumt werden. Diese zwei Sichtweisen und Einstellungen habe ich wirklich erfahren. Aber heute gibt es ja die Inklusion, mehr Aufklärung und Diskussionen, verschiedene Projekte und Modellversuche. So langsam sollte die Gesellschaft Verständnis und Akzeptanz entwickeln, für eine volle Gleichberechtigung braucht es noch einige Zeit.

Daniela: Ist DGS meine Muttersprache? Ich kann vorsichtig behaupten, dass DGS meine Muttersprache ist, da sie für mich ohne Barrieren und ohne Probleme visuell wahrnehmbar ist. Ob ich mich gleichberechtigt fühle? Vorsichtig ausgedrückt, ja, denn ich kann mich lautsprachlich mitteilen. In bestimmten Situationen aber wäre ich nicht gleichberechtigt, da Gebärdensprache in der Gesellschaft noch die Assoziationen „Taubstumm“, „Dummensprache“, „Geistig behindert“ hervorruft. Es ist schwierig zu benennen, es geht in diversen Situationen oft darum, was gerade in der Luft liegt. Manchmal betrachten die Hörenden die Tauben sehr distanziert – sei es aus Unsicherheit, Ahnungslosigkeit, aus der Einstellung heraus, sofort jeden als „Deppen“ abzustempeln – so habe ich manchmal das Gefühl.

 

Wie sind deine Erfahrungen, ist die DGS in unserer Gesellschaft akzeptiert?

akzeptieren

Lisa: Ich glaube nicht dass die DGS akzeptiert ist, weil viele Hörende keine Ahnung davon haben, was Gebärdensprache für Taube bedeutet. Sie sehen zwar dass es eine visuelle Sprache ist aber ich glaube den Inhalt verstehen sie nicht.

Thomas: Für eine Akzeptanz der DGS und der Personen die sie Sprechen ist es noch ein anstrengender Weg. Auf diesem Weg haben wir schon viel gearbeitet, hart gekämpft, diskutiert, aufgeklärt, bewusst Bildung vermittelt, Inklusionsprogramme gestaltet. Vor 30 Jahren gab es in unserer Gesellschaft überhaupt keine Akzeptanz. Heute ist es schon besser: Es gibt Dolmetscher, Kultur, Programmtheater, mehr Untertitel im Fernsehen. Es entwickelt sich immer mehr und ich habe das Gefühl, dass die Gesellschaft es so langsam akzeptiert, dass es uns gibt aber wir sind noch lange nicht am Ende. Wir müssen weiter kämpfen. Um sich eine vollständige Akzeptanz vorstellen zu können benutze ich gern die Metapher von Gottes Sprachhaus. Dort sind alle Sprachen vorhanden, Gebärdensprachen, Lautsprachen, Schriftsprachen. Alles was sich evolutionär zum Austausch entwickelt hat: Augen, Ohren, Mund, Kehlkopf, der Körper, die Hände. Alles ist vorhanden und das Angebot im Sprachhaus ist reichhaltig. Und die Menschen akzeptieren die verschiedenen Sprachen, weil es Gottes Welt und Gottes Haus ist. Wenn wir es schaffen in unserer Gesellschaft die einzelnen Menschen noch mehr aufzuklären, uns mit ihnen auszutauschen, Programme auszutauschen und individuell voneinander zu lernen, dann denke ich schaffen wir es zukünftig, dass die DGS in unserer Gesellschaft voll akzeptiert wird.

Daniela: Ich denke schon, dass DGS in der Gesellschaft akzeptiert ist. Die meisten Menschen haben einfach keine Ahnung davon, da die DGS im öffentlichen Fernsehen nur selten zu sehen ist. Phoenix ist der einzige Sender, bei dem ein Dolmetscher neben dem Sprecher eingeblendet ist. Es ist nicht so wie in Amerika, wo bei Warnungen oder Alarm-Meldungen stets ein Dolmetscher neben dem Sprecher steht. Wäre das auch hier so, würde Gebärdensprache eher wahrgenommen werden und ihr Bekanntheitsgrad größer sein. Die meisten Menschen nehmen DGS nicht aus Bosheit nicht ernst, sie kommentieren GS nicht als minderwertig und dass wir zu sprechen haben und GS nicht verwenden dürfen. Das tun diejenigen, die GL unterrichten, Logopäden, Sonderpädagogen, Lehrer in den Gehörlosenschulen. Die Anderen sind in puncto Gebärdensprache oder Lautsprache eher unbedarft, was mich dazu bewegt, zu behaupten, GS sei in der Gesellschaft akzeptiert.

 

Gibt es Alltagssituationen, die dir bewusst vor Augen führen, dass taube Menschen benachteiligt werden?

Lisa: Ja, definitiv. Viele Taube stehen oft im Abseits, weil Hörende sie nicht wahrnehmen und nicht merken, dass sie es mit eine tauben Menschen zu tun haben. Sie können sich nicht vorstellen, dass man ihre Lautsprache nicht wahrnehmen kann als wären alle Menschen gleich. Man kann es jemandem nicht ansehen, dass er nicht hört, weil es keine äußeren Auffälligkeiten gibt. Und Hörende wissen nicht wie sie mit einem Tauben umgehen sollen. Deshalb sehe ich da Barrieren.

Thomas: In unserer Gesellschaft gibt es verschiedene Situationen, Institutionen, Vereine usw. in denen wir auf Barrieren oder Audismus stoßen. Ich empfehle folgendes Vorgehen: ihr wisst, dass es in vielen Bereichen an der Präsenz der Gebärdensprache mangelt, beispielsweise im Bildungsbereich, im Fernsehen, im Erholungsbereich, in der Politik und weiteren verschiedenen Lebensbereichen. Gebärdensprache ist nur sehr vereinzelt vorhanden. Wenn ihr nun Leute aus diesen Bereichen trefft, macht sie darauf aufmerksam und diskutiert mit Ihnen über diesen Missstand.

In Situationen in denen man Hilfe durch Dolmetscher oder Assistenzkräfte benötigt, vor allem im Verwaltungsbereich ist die Diskriminierung am größten. Das Antragsverfahren, die ewigen Diskussionen und Erklärungen… Der Papierkrieg ist so kräfteraubend, da fühle ich mich sehr benachteiligt. Klar, die Gesellschaft weiß, sie sind anders, sie brauchen andere Hilfen, damit man sich auf Augenhöhe begegnen kann, aber in Verwaltungsverfahren stoßen wir nach wie vor auf Barrieren und es geht nur in kleinsten Schritten vorwärts. So fühle ich mich auch in meiner persönlichen Entwicklung eingeschränkt.

Aber früher waren diese Barrieren unüberwindbar. Heute ist es schon möglich die Barrieren unter gewissen Anstrengungen zu überwinden. beim Ausbau des inklusiven Wegs wünsche ich mir, dass es zukünftig selbstverständlich ist in allen Bereichen der Gesellschaft bildliche Informationen zu bekommen, dolmetschende Avatare und vieles mehr zu haben. Das sind meine Erwartungen an die Zukunft. Jetzt müssen wir noch an der Bildungsarbeit dranbleiben und uns dafür Einsetzen, dass Gebärdensprache Eingang in die verschiedenen Gesellschaftsbereiche findet.

 

Daniela: Ich sehe eigentlich nicht so sehr, dass GL in gewissen Bereichen benachteiligt werden. Die meisten Menschen bemühen sich, dass die Kommunikation funktioniert. Alltag bedeutet für meine Begriffe der Weg zur Arbeit, Einkaufen, Nachbarschaft, usw. Ich muss schon selbst aktiv werden und Fragen stellen, dann bekomme ich auch Antworten, aber darauf zu warten, dass jemand auf mich zu geht und mir sagt, was passiert ist, weil ich es aufgrund meines fehlenden Gehörs nicht mitbekommen haben kann, ist aussichtslos.  Ich muss schon die Initiative ergreifen, dann bekomme ich auch Antworten. Nur was Informationen zum öffentlichen Verkehr (Bahn, Straßenbahn, etc.) betrifft, vermisse ich visuelle Informationen. Meistens werden Informationen über Lautsprecher verbreitet, das empfnde ich als Nachteil, aber das ist nicht unbedingt Alltag.

 

Wo siehst du Barrieren? Was könnte man tun, um diese Barrieren abzubauen?

Barrieren

Lisa: Die Barrieren müssen beseitigt werden, aber wie? Ich denke als erstes müssen die Hörenden mehr über Gebärdensprache aufgeklärt werden. Jeder sollte wissen, dass taube Menschen Gebärdensprache brauchen. Sie haben ein Recht alles zu verstehen. Auch in der direkten Kommunikation müssen Barrieren abgebaut werden. Das Mindeste ist der Augenkontakt und dass man aufmerksamer ist. Wenn man das beachtet, dann denke ich kann man schnell Kommunikationsbarrieren abbauen. Aber auch die Tauben müssen selbstbewusster auf ihre Bedürfnisse hinweisen. Und ich denke, wenn ein Diskussionsaustausch in Gang kommt, dann gelingt es auch Barrieren abzubauen.

Thomas: Es sind leider viele Barrieren vorhanden, das ist der graue Realismus. Ich denke aber Farbe wäre besser… Wenn in allen Lebensbereichen wie, Schule, Bildung, Arbeit, Fernsehen, Politik usw. Gebärdensprache vorhanden wäre und sich eine Zweisprachigkeit etablieren würde, dann wäre es für uns barrierefrei. Dazu brauchen wir Energie und Kraft weiter zu kämpfen, Gesetze umzusetzen, müssen weiter an Projekten und Modellversuchen arbeiten, Programme entwickeln um auch die Lautsprachkultur und Gebärdensprachkultur miteinander zu verbinden und Inklusion weiter voran zu bringen. Wir können durch den inklusiven Ansatz neue Kulturprodukte entwickeln, beispielsweise Laut- und Gebärdensprachtheater gemischt mit Tanz und weiteren Elementen. Im Medienbereich könnten Avatare Gebärden, oder ferngesteuerte Roboter usw. kann man mit einer Sprachsoftware ausstatten. So können Technologien effektiver werden. Im Bildungsbereich verunsichert oft ein Wort, das in verschiedenen Kontexten anders ist. Es gibt Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen aus verschieden sozialen Schichten, die profiteren von einer Hinzufügung des visuellen Aspekts. Es erleichtert das Erlernen des gesprochenen und geschriebenen Wortes, indem das Gehirn die Möglichkeit bekommt, die verschieden präsentierten Einheiten zu verknüpfen und über die Logik und die Kognition zu erweitern, so dass sich auch Bildung, Wissenschaft und Forschung in Riesenschritten weiterentwickeln können. Auch die Politik würde davon profitieren, die Politiker hätten durch die Hinzufügung von Gebärdensprache mehr Mimik, mehr Ausstrahlung und durch die Nutzung des Raums, der Topographie, ein immenses Plus bei ihrem Auftreten. Gerade erhebt sich die Gebärdensprache aus dem Staub, reckt und streckt sich und beginnt ihre Arbeit. In Zukunft wird es gut laufen, so dass die nächste Generation ohne Barrieren leben kann. Dafür müssen wir uns jetzt engagieren, indem wir in Vereinen aktiv sind, uns in Initiativen engagieren, mit Politikern sprechen, Projekte beantragen, um Zuschüsse zu bekommen. Kooperationen zwischen verschiedenen Schulen, Gebärdensprachschulen und Kulturinstitutszentren zu schaffen, Akzeptanz zwischen Lautsprachlern und Gebärdensprachlern hilft, gemeinsame Ziele zu erreichen, dafür müssen wir arbeiten, so werden Barrieren nach und nach abgebaut, die Welt bunt und lichtdurchflutet.

Daniela:  Wo ich Barrieren sehe? Es gibt viele Barrieren, das bestreite ich nicht. Z.B. im TV. Es gibt zwar immer mehr Gebärdensprach-Angebote im TV, das ist gut, aber sie sind versteckt. Man muss immer ins Internet, um Gebärdensprach-Angebote genießen zu können. Nicht alle Sendungen werden mit Gebärdensprache angeboten, was immer noch zu wenig ist. Ich möchte, dass Nachrichten, Informantionsveranstaltungen und so weiter, stets mit Dolmetscher und zwar nicht versteckt, sondern für alle sichtbar, ausgestrahlt werden. Damit würde für mich eine Barriere wegfallen. Auf Internetauftritten verschiedener Ämter, bspw. Ämter des Bundestags gibt es das Symbol „Gebärdensprache“, das man anklicken kann, um die Inhalte in DGS ansehen zu können. Oft wird dort nur gebärdet, was sich unter den einzelnen Menüpunkten der jeweiligen Homepages verbirgt. Das brauche ich nicht. Ich brauche den Inhalt der Homepages in DGS, das ist etwas, was ich vermisse. Die Informationen der Menüpunkte auf den Homepages kann ich ja sehen, weiß also. worauf ich klicken muss. Was ich brauche, ist der Inhalt der Texte dort in DGS. Als Barriere empfinde ich am meisten das Gesundheitssystem hier in Deutschland. Es geht hauptsächlich ums Reparieren, das stört mich. Wenn ich zum Arzt gehe, z.B. zum HNO-Arzt und ihn bitte, einen störenden Schmutz in meinem Gehörgang zu entfernen, kommt sofort, nachdem der Arzt festgestellt hat, dass man taub ist, der Vorschlag, sich ein CI implantieren zu lassen. Darum habe ich aber nicht gebeten. Das sollte nicht mehr vorkommen. Es muss ein Umdenken stattfinden: Wer ausdrücklich eine „Reparatur“ des Gehörs wünscht, sollte es selbst äußern dürfen, auch welches technische Hilfsmittel er dafür haben möchte. Diese Begrenzung eines Menschen aufs Reparieren ist nichts, was ich für gut erachte. Eine andere Barriere sind, wie schon erwähnt, die fehlenden visuellen Informationen im öffentlichen Verkehr. es gibt sie nicht flächendeckend. Taube brauchen einfach visuelle Hinweise über Gleiswechsel, Verspätung der Straßenbahn, um nicht verloren dazustehen. Die größte Barriere für mich als Linguistin ist folgende: Eltern tauber Kinder werden zuallererst zu CIs beraten. Die völlig verunsicherten Eltern sind bei dem Thema erleichtert, da sie glauben, dass das Kind mit einem CI in der hörenden Welt bleibt. Dies ist eine sehr einseitige Aufklärung, nicht bei allen Kindern verhält es sich so, wie die Aufklärung zum CI verspricht. Es gibt Kinder, bei denen das CI versagt. Darum möchte ich, dass Kinder von Anfang an beide Sprachen erwerben dürfen: Laut- und Gebärdensprache. CI und Gebärdensprache sollten immer gemeinsam angeboten werden. Das finde ich äußerst wichtig. Eltern wissen ja nicht, ob ihr Kind später einmal der hörenden Welt den Rücken kehrt, da sie zu belastend ist und sich der tauben Welt zuwenden möchte, aber der Gebärdensprache nicht mächtig ist. Es wäre besser, beide Wege offen zu lassen.

Es war schon immer so und ist bis heute noch so, dass Lehrer in den Schulen für Taube nicht gebärden wollen oder können. Ihr Argument lautet, das Taube später in der Welt der Hörenden arbeiten müssen und dafür Deutsch in Wort und Schrift notwendig ist. Das ist in einem gewissen Grad nachvollziehbar, aber falsch begonnen. Kinder brauchen Sprache, welche auch immer. Für taube Kinder ist die einzig wahrnehmbare Sprache die visuelle Sprache, d.h. Schrift- und Gebärdensprache. In den Schulen haben die Lehrer bisher nach Gutdünken oder Lust und Laune Gebärden verwendet, wenn überhaupt. An manchen Schulen vertritt man allerdings die Maxime, Gebärdensprache vollständig aus dem Unterricht zu verbannen. Die Kinder lernen dann zwar lesen und Schreiben, verstehen aber nicht, wozu, welche Bedeutung die Sätze transportieren, was die verknüpften Satzteile und Sätze ausdrücken wollen und können, weil es ihnen niemand erklären konnte. Deshalb brauchen viele Taube bis heute Hilfe, sie können kein eigenständiges Leben führen, weil sei bei Texten nie sicher sind, ob es sich um Werbung handelt oder ob etwas bezahlt werden muss. Es ist essentiell, dass die Grundlage einer Sprache – für Taube eine visuelle, also die Gebärdensprache – vorhanden ist, auf die sie aufbauend lesen lernen können. Wenn sie später die Lautsprache dazu lernen möchten, steht dem nichts im Wege. Aber es ist falsch, davon auszugehen, zuerst alles zu tun, um die Lautsprache zu erwerben und darauf zu vertrösten, dass Gebärdensprache immer noch dazu gelernt werden kann. Das ist dann zu spät! Ich sehe, dass viele Taube bei Texten enorm auf Barrieren stoßen, sie nicht verstehen und gezwungenermaßen Hörende um Hilfe bitten müssen. Diese, sofern sie der Gebärdensprache nicht mächtig sind, sind auch keine Hilfe, sie tragen nicht viel zum Verständnis der Texte bei. Seit einiger Zeit gibt es an der Universität Hamburg die Ausbildung zum Tauben Gebärdensprachdolmetscher, an der ich teilgenommen habe. Diese ist nun beendet, und falls ich die Prüfungen schaffe, möchte ich solche Texte in Gebärdensprache übersetzen. Meine Muttersprache ist ja Lautsprache, ich verstehe die Texte und kann leidlich gut DGS, bin also beider Sprachen mächtig. Diesen Vorteil möchte ich den anderen Tauben zur Verfügung stellen.

 

Was ist aus deiner Sicht nötig, um mehr Akzeptanz in unserer Gesellschaft für DGS zu bekommen?

Akzeptanz

Lisa: Unsere Gesellschaft muss bereit sein sich mehr zu öffnen, die Sichtweisen zu erweitern und ich denke es wäre auch positiv für Hörende wenn sie untereinander mehr auf ihre Mimik und Körpersprache achten würden. Ich finde es in erster Linie wichtig, solche Barrieren zu beseitigen, die daraus resultieren, dass man nicht auf den Anderen eingeht. Ich denke aus diesem Grund existieren die Barrieren, weil kein Verständnis für Taube und ihre Kultur da ist und dafür, was der Mensch braucht um verstehen und kommunizieren zu können. Meiner Meinung nach müssen alle bereit sein sich zu öffnen auch die Tauben. beispielsweise indem sie darauf hinweisen: Hallo ich bin taub, bitte schau mich an. Ich glaube, wenn der Informationsaustausch weiter voran geht und man immer wieder auf den visuellen Bedarf hinweist, sind die Hörenden auch bereit darauf einzugehen, Barrieren zu beseitigen und den Weg frei zu machen.

Thomas: In unserer Gesellschaft existieren ja die beiden Kulturen: Lautsprach- und die Gebärdensprachkultur. wie erreicht man nun den Austausch und die Vermischung dieser beiden Kulturen? Sprachen, Laut- oder Gebärdensprachen, sind für jeden wichtig, für die innere Entwicklung, zum Leben. Das ist eine allgemein anerkannte Erkenntnis, das sagt die Etymologie, die Psychologie, die Neurologie und die Linguistik. Da beißt keine Maus den Faden ab. Heute haben wir durch den technologischen, wissenschaftlichen und evolutionären Fortschritt einen gewissen Stand erreicht. Wenn wir zurückblicken auf den Beginn des Lebens, als sich aus den Affen dann Menschen und Kulturen entwickelten die Pyramiden in Ägypten, Staaten und Gesetze, die Technik, die erste Eisenbahn, Schiffe, Luftschiffe, Computer, Handy, Avatare, Roboter. Und die Entwicklung geht rasend schnell immer weiter. Wie Sprache, menschliche Psyche, Gene, Erkenntnis(theorie), Offenheit, Lebenswelt, verschiedene Medien, Technologie. Die Menschen sollen auch im Blick behalten, was uns die Etymologie, die Religion, Emotion, Logik, Pädagogik, Linguisten sagen. Die Ergebnisse der Erkenntnisforschung verfügen über Beweise und klare Argumente, über die Diskussionen geführt werden können zur Weiterentwicklung der Gene, zur Weiterentwicklung im Bildungsbereich (Didaktik, Methodik). Wir Menschen müssen heute umdenken. Es stimmt, dass wir Sprache zum Überleben brauchen wie ein „Survival Pack“, damit die Evolution weitergehen kann. Mit uns ist nicht das Ende der Evolution erreicht. Gene und die Seele entwickeln sich weiter, ebenso die Kognition. Unser Weltbild verändert sich und entfaltet sich immer mehr. Heutzutage sollen die Menschen toleranter sein, nicht so wie früher, als man sich über Andere lustig gemacht oder sie unterdrückt hat. Das sollten wir alles vergessen und nur das Positive am Anderen annehmen und sich gegenseitig akzeptieren. So wächst die Akzeptanz auch bei anderen. Das erwarten wir.

 

Marcus: Vielen Dank an unsere drei Interviewpartner für die Einblicke in ihre unterschiedlichen Sichtweisen und Perspektiven sowie ihre Vorschläge zum Abbau von Barrieren. Wir haben in den Interviews auch erfahren, dass eine bilinguale Bildung in Deutscher Gebärdensprache und Deutscher Schriftsprache auch zukünftig von großer Bedeutung sein wird.

Jetzt seid ihr gefragt mitzumachen und eure Perspektiven und Meinungen dazu über Facebook, Twitter, Youtube, google+ usw. mitzuteilen und auf eure Muttersprache aufmerksam zu machen.

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5 Antworten

  1. game_over sagt:

    Also beim ersten muss ich mich entschuldigen, weil auf diesem Video sehe ich zwar mindesten 20% DGS und 80% LBG. Wie soll man mir das erklären, dass es DGS ist? Das Wort „Deaf CODA“ ist natürlich ein absolutes lächerlich also typisch die Deutschen die immer neues Wort erfindet und obwohl es keinen Sinn macht. Leider habe ich nicht alles angeschaut, weil das Video viel zu lange gedauert hatte und somit habe ich den Text einfach gelesen.

    • Hallo Steven, erst einmal vielen Dank für deinen Kommentar… Der Begriff deaf coda ist keine Erfindung von uns. Er hat sich in der deaf community entwickelt und wird schon seit mehreren Jahren verwendet.
      In diesem Interview wird DGS verwendet.

      • Steven Kirchner sagt:

        Ach so, aber ich habe meine 1 amerikanische Freunde gefragt was deaf coda ist und die kennen das Wort gar nicht und nie sowas gesehen.

        Wenn du es meinst, dass min interview in DGS verwendet wurde, dann lege ich dir einen Wiederspruch, dass es nur ein kleines Teil DGS waren und deutlich hat Thomas richtige DGS gezeigt als die anderen. Die anderen haben fast LBG benutzt und kaum DGS und warum? Also ersten sie haben fast ganzen Satz benutzt und einen deutliche Lippensprache benutzt was in DGS nicht verwendet wird. Schau bitte genau den Interviews von Thomas in diesem Video an und dann schau mal bitte die anderen. Wie gesagt, dass ich wiederspruch lege wegen keine deutliche DGS.

  2. Vielen Dank an das gesamte Videoteam!
    Dieser Film ist ein wichtiges Statement für uns und unsere Kinder – für eine Zukunft mit Gebärdensprache.
    Wir brauchen Multiplikator_innen und Vorbilder wie den gehörlosen Dipl.-Sozialpädagogen Thomas Wartenberg, die gehörlose Gebärdensprachlinguistin Prof. Daniela Happ und Lisa Ulrich, die auch als Hörende sicher in der Gebärdensprachgemeinschaft aufgehoben ist.
    Vielen Dank an alle mutigen Aktivisten und Aktivistinnen!

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