Große Emotionen in der vierten Auflage

Emotionale Geschichten gab es nicht nur von den kleinen Gebärdensprachpoeten – auch in der Podiumsdiskussion debattierten die Erwachsenen anhand zweier persönlicher Schullaufbahnen zu den Fehlentwicklungen in der Hörgeschädigtenpädagogik.

Vom 23.-25. August fand das Thüringer KinderGebärdensprachFestival bereits zum vierten Mal statt. Viele der über 200 Besucher reisten bereits am Freitag an, bezogen ihre Zimmer und genossen die idyllische Lage des Schulungsheims in Dörnfeld an der Ilm. Die Zeit bis zum Abendessen verging beim Spielen auf der Hüpfburg, dem weitläufigen Spielplatz, beim Pferdereiten oder beim Kennenlernen der anderen Festivalteilnehmer wie im Flug. Am Abend gab es für die Kinder einen kleinen Teamwettbewerb. Beim Seilziehen, Torwandschießen, Eierlaufen, Sackhüpfen und Wassereimer befüllen wetteiferten zwei Teams bis zur Dämmerung um die besseren Punktzahlen. Der Abend wurde dann für die Eltern interessant. Nachdem sie ihre Kinder ins Bett gebracht hatten, war nun Zeit zum Kennenlernen und Netzwerken.

Nach der Eröffnung des Festivals durch Marcus Beyer und Manuel Löffelholz am Samstagmorgen überbrachte unser Schirmherr Helmut Vogel (Präsident des Deutschen Gehörlosenbundes) per Videobotschaft Grüße und lobte unsere Vereinsarbeit. Anschließend hielt Daniel Beilborn als Vertreter der Deutschen Gehörlosen-Jugend ein Grußwort und bedankte sich für unseren Vorstoß und unseren Erfolg in der bilingualen Bewegung: „Es ist eine unheimliche Leistung was ihr in nur 3 Jahren Vereinsarbeit bereits erreichen konntet.“

 

Danach begannen die Auftritte der 9-12-Jährigen. In kurzen Beiträgen boten die Kinder eindrucksvolle, kreative Geschichten, welche den Gefühlskostümen der Zuschauer und Jurymitglieder so einiges abverlangte. Die Bandbreite reichte von lustig, humorvoll und nachdenklich bis „zu Tränen gerührt“. Ermutigt durch die „Großen“ trauten sich danach auch die 3-5-Jährigen auf die Bühne.

Nach dem Mittagessen besuchten die Kinder Betreuungsangebote wie einen Zauberworkshop mit Thomas Wartenberg, die Meerjungfrau Heidrun Barth und verschiedene Bastel- und Spielangebote. Für die Erwachsenen stellten Prof. Dr. Johannes Hennies (Pädagogischen Hochschule Heidelberg) und Sonderpädagogin Kristin Hennies den Werdegang des bimodal-bilingualen Unterrichtskonzeptes an der Schule Am Roten Berg in Erfurt, Gelingensfaktoren zur Umsetzung sowie erste Forschungsergebnisse vor. Im Anschluss widmeten sich Jörg Thamm (Landtagsangeordneter der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag), Kay Tischer (Beigeordneter des Ilm-Kreises), Daniel Beilborn (Beisitzer der Deutschen Gehörlosen Jugend) und Erika Beyer (von 2010-2018 Vorsitzende des Thüringer Landesverbands der Gehörlosen) in einer Podiumsdiskussion dem Thema „Inklusion im Alltag – Barrieren, Herausforderungen und Handlungsbedarfe“.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde begann Moderatorin Asha Rajashekhar mit einer Einführung über die Fehlentwicklungen in der Hörgeschädigtenpädagogik, die sich seit dem Mailänder Kongress 1880 noch bis heute in vielen Fördereinrichtungen niederschlagen. Anschließend ging es um die persönlichen Erlebnisse in der Schule. Erika Beyer berichtete von Gebärdensprachverbot, Zwang zum Sprechen und Lippenlesen, bis hin zu körperlicher und psychischer Gewalt. In der Schulzeit von Daniel Beilborn war Gebärdensprache zumindest nicht mehr verboten aber die Lehrkräfte hatten größtenteils auch keine Gebärdensprachkompetenz und der Unterrichtsinhalt war dadurch nicht voll zugänglich. Die beiden Politiker sicherten zu, das Thema der Barrieren im Schulsystem und im Alltag in ihrer politischen Arbeit mit im Blick zu haben.

 

Am Nachmittag fand die Siegerehrung der 3-5 Jährigen statt. Über einen Pokal freuten sich Mera Wyrostek (Platz 1), Stella Eberhardt (Platz 2) und Lotta Wagner (Platz 3). Anschließend präsentierten die Kinder im Alter von 6-8 Jahren selbstausgedachte und bekannte Geschichten oder Witze. Anschließend zog sich die Jury zur Auswertung zurück. Nach dem Abendessen versammelten sich alle gespannt zur Preisverleihung. Über die ersten Plätze bei den 6-8 Jährigen freuten sich Milian Schneider (Platz 1), Anna Löffelholz (Platz 2), Amelie Ulrich (Platz 3). Bei den 9-12 Jährigen standen Silena Barth (Platz 1), Alina-Dana Staicu (Platz 2) und Sophie Schaub (Platz 3) zur Siegerehrung auf der Bühne. Das Abendprogramm gestalteten die Kinder mit am Nachmittag erlernten Zaubertricks. Anschließend gab Thomas Wartenberg eine eindrucksvolle Zaubershow für Groß und Klein.

Unser Festival konnten wir nur durch die tatkräftige Unterstützung der vielen Helfer sowie die finanzielle Unterstützung von Aktion Mensch, AOK Plus, Sparkasse Arnstadt-Ilmenau, Ilm-Kreis und dem GSV Thüringen ausrichten. Vielen Dank dafür!

 

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